Open Source in der Verwaltung: Studierende machen Einsparpotenziale sichtbar
Universität Potsdam testet Workshopmethoden am Beispiel Open Source
Welche neuen Erkenntnisse entstehen, wenn man ein Thema mit ganz unterschiedlichen Workshopmethoden betrachtet? Dieser Frage gingen Studierende der Universität Potsdam im Rahmen einer Semesterarbeit unter Leitung von Dr. Edzard Weber nach.
Daniel und Richard begleiteten die Arbeit im Namen der I-TDS über den Projektverlauf hinweg. Sie brachten fachliche Impulse ein, beantworteten Fragen zu Open Source und spiegelten Annahmen und Schlussfolgerungen aus der Praxisperspektive. Auch bei der abschließenden Präsentation waren beide als Vertreter der I-TDS dabei. Hier konnten die Ergebnisse noch einmal gemeinsam diskutiert und insbesondere die Übertragbarkeit der entwickelten Ansätze auf reale Fragestellungen rund um Verwaltung, Smart City und kommunale Digitalisierung betrachtet werden.
In kleinen Gruppen erprobten die Studierenden insgesamt sechs unterschiedliche Workshopmethoden und beschäftigten sich mit den Themen „Open Source in der Verwaltung“ und „Open Source für Smart City“.
Sechs Methoden – ein Thema aus unterschiedlichen Perspektiven
Das Thema Open Source diente als konkreter Anwendungsfall, um verschiedene Methoden kennenzulernen, auszuprobieren und ihre Ergebnisse miteinander zu vergleichen. Interessant war, obwohl sich die Studierenden dem Thema mit sehr unterschiedlichen Methoden näherten, wiederholten und bestätigten sich zentrale Erkenntnisse über die verschiedenen Workshops hinweg.
Zum Einsatz kamen:
- Playmobil Pro
- Data Speed Dating
- Lego Serious Play
- SWOT/TOWS und Business Model Canvas
- Szenario-Modellierung
- PoCCI/Wandlungsfähigkeit – die „Potsdam Change Capability Indication“
Was kann Open Source für kommunale Haushalte bedeuten?
Besonders spannend wurde es bei der Gruppe „Open Source in der Verwaltung“. Hier rückte eine sehr praktische Frage in den Mittelpunkt: Welches wirtschaftliche Potenzial könnte entstehen, wenn Verwaltungen verstärkt Open-Source-Lösungen einsetzen? Neben Fragen der digitalen Souveränität und technologischen Unabhängigkeit wurde damit ein weiterer Aspekt greifbar: mögliche Einsparungen bei den laufenden IT-Kosten einer Verwaltung.
Um diesen Zusammenhang anschaulich zu machen, entwickelten die Studierenden ein eigenes Dashboard. Mit neutralen, bewusst fiktiven Zahlen lässt sich darin modellieren, wie sich unterschiedliche Annahmen zu Verwaltungs-IT-Kosten und möglichen Einsparungen durch Open Source über die Zeit auswirken.
Wenn aus abstrakten Kosten eine laufende Zahl wird
Besonders eindrucksvoll ist die Visualisierung der Kostenentwicklung. Ähnlich dem Prinzip der bekannten deutschen Schuldenuhr laufen die Beträge kontinuierlich auf einer digitalen Anzeige weiter. Dadurch wird aus einer abstrakten Haushaltsposition plötzlich eine sichtbare und verständliche Größe. Und ebenso sichtbar wird, welchen Unterschied bereits kleinere Veränderungen bei regelmäßig anfallenden IT-Kosten über längere Zeiträume machen können.
Das Dashboard liefert aktuell keine Aussage über tatsächliche Einsparungen einer konkreten Verwaltung. Alle verwendeten Werte sind fiktiv. Es zeigt jedoch, wie sich mögliche wirtschaftliche Effekte transparent modellieren und verständlich kommunizieren lassen. Darin liegt aus unserer Sicht eine interessante Perspektive. Die Diskussion über Open Source muss nicht ausschließlich technisch geführt werden. Sie kann auch mit konkreten Fragen der Wirtschaftlichkeit, Transparenz und langfristigen Gestaltung kommunaler Haushalte verbunden werden.
Fachlicher Austausch zur Abschlusspräsentation
Für uns als Initiative Transparente Digitale Stadt war die Begleitung der Semesterarbeit ein spannender Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis. Die unterschiedlichen Workshopmethoden haben gezeigt, wie ein Thema aus verschiedenen Blickwinkeln untersucht, hinterfragt und Schritt für Schritt vertieft werden kann. Das entwickelte Dashboard macht deutlich, welches Potenzial in einer verständlichen Visualisierung komplexer Zusammenhänge steckt. Bei Themen wie IT-Kosten, Open Source und kommunale Haushaltsgestaltung können solche Werkzeuge helfen, Diskussionen transparenter und nachvollziehbarer zu führen.
Unser herzlicher Dank gilt den Studierenden sowie Dr. Edzard Weber von der Universität Potsdam für den offenen Austausch und die engagierte Zusammenarbeit.
Wir nehmen aus dem Projekt eine spannende Frage für die weitere Diskussion: Wie können wir die wirtschaftlichen Auswirkungen digitaler Entscheidungen in unseren Städten künftig noch transparenter sichtbar machen?