Was Wasser weiß – Ein Infoabend über unsere wichtigste Ressource
Wasser kommt aus dem Hahn. Jeden Tag. Zuverlässig und in guter Qualität. Was so selbstverständlich erscheint, ist jedoch das Ergebnis einer umfangreichen Infrastruktur – und zunehmend auch einer großen Menge an Daten.
Beim Wissensabend „Potsdam und sein Wasser – Was Wasser weiß“ der Initiative Transparente Digitale Stadt (i-TDS) haben wir uns gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, Fachleuten und Vertretern der kommunalen Unternehmen genau damit beschäftigt: Wie wird Potsdam heute mit Wasser versorgt? Was können wir über Wasser messen? Und wie helfen Daten dabei, unsere Stadt auf Trockenheit, Starkregen, steigende Temperaturen und andere Herausforderungen vorzubereiten?
Andrea und Jens begrüßten die gut gefüllte Runde in der Cafeteria der Stadtwerke Potsdam. Mit Luise Schubert und Andreas Becker führten anschließend zwei Fachleute durch sehr unterschiedliche, aber eng miteinander verbundene Perspektiven auf das Thema.
29.000 Kubikmeter Wasser – jeden Tag
Luise Schubert gab zunächst einen Einblick in die Wasserversorgung Potsdams und ihre langfristige Entwicklung.
Fünf Wasserwerke versorgen die Stadt. Das geförderte Grundwasser wird unter anderem über Kiesfilter aufbereitet, die Eisen und Mangan herausfiltern. Rund 11 Millionen Kubikmeter Reinwasser werden im Jahr bereitgestellt. Damit das Wasser anschließend dort ankommt, wo es gebraucht wird, ist eine beachtliche Infrastruktur notwendig: Das Potsdamer Trinkwassernetz umfasst rund 1.073 Kilometer Leitungen. Drei Hochbehälter am Kirchberg, Brauhausberg und Ravensberg unterstützen dabei, den erforderlichen Wasserdruck im Netz sicherzustellen.
Im Durchschnitt werden täglich etwa 29.000 bis 30.000 Kubikmeter Wasser benötigt. An besonders verbrauchsintensiven Tagen kann es deutlich mehr sein: Die Spitze lag 2025 bei rund 50.000 Kubikmetern an einem Tag. Diese Zahlen machen deutlich, welche Leistung hinter einer Versorgung steckt, die wir im Alltag kaum wahrnehmen.
Unser Wasserverbrauch sinkt
Eine interessante Entwicklung zeigt der Blick auf den Pro-Kopf-Verbrauch. 2018 wurden in Potsdam noch rund 128 Liter Trinkwasser pro Einwohner und Tag verbraucht. 2024 waren es rund 112 Liter, 2025 etwa 113 Liter.
Wasser ist dabei ein wesentlicher Teil der kommunalen Daseinsvorsorge. Für weniger als einen Euro pro Tag und Einwohner steht Trinkwasser zur Verfügung – einschließlich der dahinterliegenden Gewinnung, Aufbereitung und Infrastruktur. Und die entscheidende Frage des Abends lautete daher auch: Wie sichern wir sie für die Zukunft?
Potsdam als Schwammstadt
Mit Klimawandel, längeren Trockenperioden, Starkregen und einer wachsenden Stadt verändern sich die Anforderungen an den Umgang mit Wasser. Ein wichtiges Zukunftsbild ist deshalb die Schwammstadt. Regenwasser soll möglichst nicht einfach und schnell aus der Stadt abgeleitet werden. Stattdessen geht es darum, Wasser zurückzuhalten, versickern zu lassen, zu speichern und dort wieder verfügbar zu machen, wo es benötigt wird.
Damit verbunden ist auch die Frage, wie wir unterschiedliche Wasserströme behandeln. Regenwasser, häusliches Abwasser und belastetes Wasser aus gewerblichen oder industriellen Einleitungen stellen jeweils andere Anforderungen an die Infrastruktur. Auch bei der Abwasserbehandlung entwickelt sich die Technik weiter. Kläranlagen arbeiten bislang mit mehreren Reinigungsstufen. Eine zusätzliche vierte Reinigungsstufe soll künftig weitere Spurenstoffe aus dem Wasser entfernen, bevor es wieder in den natürlichen Wasserkreislauf gelangt.
Ein weiteres Thema ist Grauwasser. Wasser etwa aus Duschen oder Waschbecken muss nicht zwangsläufig nach einmaliger Nutzung verloren sein. Aufbereitet könnte es beispielsweise für Toilettenspülungen genutzt werden. Trinkwasser würde damit dort eingespart, wo Trinkwasserqualität gar nicht erforderlich ist.
Wenn Wasser zu Daten wird
Den zweiten Blick auf das Thema eröffnete Andreas Becker mit der Frage, wie digitale Infrastruktur helfen kann, Wasser und seine Veränderungen besser zu verstehen.
Im Rahmen der Smart-City-Aktivitäten Potsdams spielen dabei unter anderem die Urbane Datenplattform und das Funknetz LoRaWAN eine wichtige Rolle. LoRaWAN ermöglicht es, kleine Sensoren über weite Entfernungen energieeffizient zu vernetzen. Sie können beispielsweise Bodenfeuchte, Wasserstände oder andere Umweltparameter erfassen und ihre Messwerte regelmäßig übertragen. Die Daten können anschließend zusammengeführt und mit Werkzeugen wie Apache Superset oder Grafana visualisiert werden.
Aus einzelnen Messpunkten entstehen so Zeitreihen und Zusammenhänge, die für Fachleute, Verwaltung und perspektivisch auch für die Öffentlichkeit verständlich aufbereitet werden können. Ein Teil dieser Daten wird über The Things Network öffentlich zugänglich. Damit verändert sich die Perspektive: Wasserinfrastruktur transportiert nicht mehr nur Wasser. Sie erzeugt gleichzeitig Informationen darüber, was in unserer Stadt geschieht.
Was Biber mit Smart City zu tun haben
Wie konkret das werden kann, zeigte ein Beispiel aus den Nuthewiesen. Dort können Sensoren dabei helfen, die Auswirkungen von Biberdämmen und die Entwicklung von Wasserständen zu beobachten. Denn Biber und ihre Dämme sind einerseits ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems. Steigt der Wasserstand andererseits zu stark, kann dies für angrenzende Siedlungen und Keller zum Problem werden. Messdaten schaffen hier eine zusätzliche Entscheidungsgrundlage. Statt Veränderungen nur punktuell wahrzunehmen, lassen sich Entwicklungen über längere Zeiträume beobachten.
Das ist Smart City im sehr praktischen Sinne: Sensoren und Daten helfen dabei, unterschiedliche Interessen und Anforderungen besser miteinander in Einklang zu bringen.
Ein weiteres Beispiel ist der Steubenplatz. Dort ist ein sogenannter Cooling Point vorgesehen. Solche Orte sollen an heißen Tagen zur Abkühlung beitragen. Auch hier können Umwelt- und Sensordaten helfen, Wirkung und Bedingungen besser zu verstehen.
Daten allein schaffen noch kein Wissen
Eine Erkenntnis zog sich durch beide Vorträge: Entscheidend ist nicht allein, wie viele Daten wir erheben. Ein Messwert für Bodenfeuchte sagt zunächst wenig. Ein Wasserstand ebenfalls. Erst durch Zeitreihen, Vergleiche, räumliche Zusammenhänge und eine verständliche Darstellung entsteht daraus Wissen. Und genau an diesem Punkt treffen sich Wasserwirtschaft und Digitalisierung.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass nicht jede Information uneingeschränkt öffentlich sein kann. Gerade bei kritischer Infrastruktur muss Transparenz immer auch Sicherheitsanforderungen berücksichtigen.
Wasser macht Stadtentwicklung sichtbar
Der Abend zeigte damit auch ein Thema, das über Trinkwasser hinausgeht. Denn Wasser verbindet viele der großen Aufgaben einer Stadt: Klimaanpassung, Stadtentwicklung, Umwelt- und Naturschutz, technische Infrastruktur, Digitalisierung und kommunale Daseinsvorsorge.
Je besser wir verstehen, wo Wasser vorhanden ist, wie es sich bewegt, wie sich seine Qualität verändert und wo es gebraucht wird, desto besser können wir mit dieser Ressource umgehen. Wasser speichert, was in einer Stadt passiert. Mit den richtigen Messungen und einer guten Dateninfrastruktur können wir lernen, diese Informationen zu lesen.
Eine digitale Stadt wird nicht allein durch Sensoren smart. Sie wird es dann, wenn aus Daten verständliches Wissen entsteht – und dieses Wissen dabei hilft, gemeinsam bessere Entscheidungen für die Stadt zu treffen.
Vielen Dank an Luise Schubert und Andreas Becker für die Einblicke, an die Stadtwerke Potsdam für die Gastfreundschaft und an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer für die Fragen, Diskussionen und den offenen Austausch. Es war einmal mehr ein spannender Abend zum Thema „Smart City verstehen”